In Branchen, in denen Farbkonsistenz entscheidend ist – von Verpackungen und Textilien bis hin zu Kunststoffen, Beschichtungen und Automobilen – ist Delta E (ΔE) die Zahl, die quantifiziert, wie nah Farben wirklich beieinander liegen. Sie wandelt subjektive visuelle Urteile wie „zu blass“ oder „leicht abweichend“ in präzise, nachvollziehbare Daten um.

Der ΔE-Wert kann entscheidend dafür sein, ob ein Produkt die Prüfung besteht oder als „nicht ganz korrekt“ abgelehnt wird. Er macht Farbabweichungen messbar, erleichtert die Kommunikation von Toleranzen und hilft, kostspielige Fehler in globalen Lieferketten zu verhindern.

Was genau ist ΔE? Und warum ist es für das Farbmanagement in der modernen Fertigung so wichtig?

Delta E (ΔE)

ΔE ist das universelle Maß für Farbunterschiede. Verschiedene Branchen und Anwendungen legen akzeptable Toleranzen fest.

Unter 1 → unsichtbar

1–2 → kaum wahrnehmbar

Über 3 → in den meisten Branchen inakzeptabel

Es hilft Herstellern, die Farbkonsistenz sicherzustellen, Ausschuss zu vermeiden und die Produktqualität über die gesamte Lieferkette hinweg zu bewahren.

Equation DeltaE

Was ist Delta E?

ΔE steht für „Delta Error“ – genauer gesagt für die Farbabweichung. Es bezeichnet den Abstand zwischen zwei Farben in einem definierten Farbraum, meist CIELAB (Lab*).

Im CIELAB wir jede Farbe durch drei Koordinaten beschrieben:

  • L* (Helligkeit: Schwarz → Weiß))
  • a* (a*-Wert: Farbachse von Grün (−a*) nach Rot (+a*))
  • b* (b*-Wert: Farbachse von Blau (−b*) nach Gelb (+b*))

Die ΔE-Formel verdichtet die dreidimensionalen Farbunterschiede zu einem einzigen Kennwert

Dies macht ΔE zu einer unverzichtbaren Maßzahl in der Farbqualitätskontrolle.

Was sagen ΔE Werte aus und wie lassen sie sich einordnen:

    • ΔE = 0 → Farben sind identisch
    • ΔE < 1 → Für das menschliche Auge nicht wahnehmbar
    • ΔE = 1–2 → Nur bei genauer Betrachtung bzw. unter kontrollierten Bedingungen wahrnehmbar
    • ΔE ≥ 3 → Deutlich sichtbarer Farbunterschied, je nach Anwendungsbereich bzw. Industrie häufig nicht akzeptabel

Die zulässigen Toleranzen anwendungsabhängig. Während im Premium-Kosmetikbereich häufig ΔE ≤ 1.0 gefordert wird, sind im Automobilbereich für nicht sichtbare Innenbauteiler Werte von ΔE ≤ 2.0 akteptabel.

Warum ist eine objektive Farbkontrolle oder Farbmessung wichtig?

Eine rein visuelle Beurteilung reicht für eine professionelle Farbprüfung nicht aus. Unterschiedliche Lichtverhältnisse, Betrachtungswinkel und individuelle Wahrnehmung führen zu Abweichungen und inkonsistenten Ergebnissen. ΔE ist eine objektive und verlässliche Vergleichsgröße.

Was Vorteile bietet der Einsatz von ΔE:

  • Objektive Bewertung: Farbunterschiede werden messbar und unabhängig von subjektiver Wahrnehmung (wie "etwas heller" oder zu hell")
  • Klare Toleranzdefinition: Farbabweichungen lassen sich über Grenzwerte festlegen und prüfen
  • Reduktion qualitätsbedingter Kosten: Farbabweichungen können frühzeitig erkannt und Ausschuss reduziert werden.
  • Vereinfachte Vergleichbarkeit über Standorte hinweg: Farben können standort-, zeit- und geräteübergreifend beurteilt werden.
  • Sichere Einhaltung aller Anforderungen: In Bereichen wie Lebensmittelverpackung oder der Automobilindustrie können Farbtoleranzen neben optischen Aspekten auch regulatorischen oder gesetzlichen Vorgaben unterliegen.

Welche ΔE-Formel ist für Ihre Anwendung geeignet?

ΔE*ab (CIE76)

Die ursprüngliche Formel. Einfach zu berechnen, entspricht jedoch nicht immer der Wahrnehmung von Farbunterschieden durch das menschliche Auge.

ΔE₀₀ (CIEDE2000)

Die modernste und am weitesten verbreitete Formel. Sie berücksichtigt Gewichtungsfaktoren für ΔL* (Helligkeit), ΔC* (Chroma) und ΔH* (Farbton), sodass das Ergebnis der menschlichen Farbwahrnehmung besser entspricht.

Beispielwerte für wahrnehmbare Farbdifferenzen nach der CIEDE2000-Formel (ΔE₀₀)

Beispielwerte für Farbdifferenzen nach CIE ΔE₀₀

CIE 00 visual colour discrimination thresholds

Welche Rolle spielt die Wahl der Farbformel?

CM-5 Display

Warum kommt es auf die richtige Farbformel an? Weil das menschliche Auge Farbunterschiede nicht über alle Farbtöne hinweg gleich wahrnimmt. Unterschiede bei hochgesättigten Farben sind schwerer zu erkennen, während bestimmte Farbtöne (wie Blau und Grün) besonders empfindlich wahrgenommen werden. ΔE00 berücksichtigt dies und liefert daher genauere Ergebnisse – besonders wichtig in Branchen, in denen subtile Unterschiede entscheidend sind, wie in der Kosmetik, Textilindustrie oder bei Autolacken.

Konica Minolta Farbmessgeräte wie das CM-36dG oder CM-26dG berechnen sowohl ΔEab- als auch ΔE₀₀-Werte. Diese Spektralphotometer liefern außerdem detailliertere Informationen, darunter ΔL, Δa*, Δb* und vollständige Spektralreflexionsdaten, so dass Anwender nicht nur messen können, „wie groß“ eine Abweichung ist, sondern auch diagnostizieren können, „warum“ sie besteht.

Beispiel Farbunterschiede

Zwei rote Kunststoffgehäuse aus verschiedenen Produktionschargen erscheinen visuell nahezu identisch, während spektralphotometrische Messungen signifikante Unterschiede in den Farbwerten aufzeigen

  • Charge A: L* = 45.0, a* = 48.5, b* = 15.0
  • Charge B: L* = 48.2, a* = 44.1, b* = 15.3

Die berechnete Farbabweichung gemäß ΔE_{00} beträgt 3,1, was eine für das menschliche Auge wahrnehmbare Differenz darstellt ->ΔE00 = 3.1

Der Farbunterschied liegt hauptsächlich in L* (Helligkeit) und a* (Rot-Grün). Charge B ist heller und weniger rot. Wenn die Markenrichtlinie ΔE ≤ 2,0 vorgibt, erfüllt Charge B die Vorgabe nicht, was Nacharbeit oder Farbkorrektur erforderlich macht.

Betrachten wir nun ein weiteres Szenario: Zwei Verpackungsfolien erscheinen bei Tageslicht identisch, stimmen jedoch unter der Beleuchtung im Supermarkt überhaupt nicht überein. Dies bezeichnet man als Metamerie – ein Phänomen, bei dem Farben unter einer Lichtquelle übereinstimmen, unter einer anderen jedoch stark voneinander abweichen. In solchen Fällen zeigen ΔE-Messungen unter verschiedenen Lichtquellen das Risiko auf, bevor die Produkte die Verbraucher erreichen.

Grenzen des ΔE-Werts

Der ΔE ist ein hilfreicher Kennwert zur Bewertung von Farbabweichungen. Er beschreibt aber lediglich die Größe der Abweichung, nicht aber deren Ursache. Liegt der ΔE-Wert außerhalb der vorgegebenen Toleranz, analysieren Qualitätskontrolleure zusätzlich noch die einzelnen Farbachsen:

  • ΔL* → Die Probe ist zu hell oder dunkel
  • Δa* → Die Probe ist zu grün oder zu rot
  • Δb* → Die Probe ist zu blau oder zu gelb

In vielen Fällen ist es außerdem notwendig, die spektrale Reflexionskurve von Referenzwert und Probe zu vergleichen. So lassen sich wellenlängenspezifische Abweichungen erkennen, die beispielsweise auf Veränderungen am Pigment, am Substrat oder im Herstellungsprozess zurückzuführen sind.

Auch Oberflächenglanz und Textur beeinflussen die ΔE-Messung. d:8-Messgeräte bieten daher in der Regel Messungen im SCI-Modus (mit Glanzeinschluss) und im SCE-Modus (ohne Glanzeinschluss) an. Dadurch kann die Farbe sowohl mit als auch ohne den Einfluss der Oberflächenreflexion bewertet werden. Viele Geräte erfassen beide Messbedingungen in einem einzigen Messvorgang.

Zeigt beispielsweise ΔL* die größte Abweichung, kann dies auf einen zu geringen Pigmentgehalt oder eine veränderte Oberflächenbeschaffenheit hinweisen. Liegt die Hauptabweichung hingegen bei Δa*, ist möglicherweise eine Anpassung der Dosierung oder Qualität des roten Pigments erforderlich.

Wie wichtig ist ΔE

ΔE ist mehr als nur ein mathematischer Kennwert. Es dient als universelle Sprache der Farbqualität und ermöglicht es Branchen weltweit, eine gleichbleibende Farbkonsistenz sicherzustellen, Ausschuss zu reduzieren und die Markenintegrität zu wahren.

Unabhängig davon, ob Sie als Designer, Qualitätsingenieur oder Produktionsleiter tätig sind: Das Verständnis und die konsequente Anwendung von ΔE im Arbeitsprozess tragen wesentlich dazu bei, folgende Ziele zu erreichen:

  • Zuverlässige Farbkonsistenz
  • Klare und eindeutige Kommunikation
  • Reduziertes Risiko

Überall dort, wo Farbe eine entscheidende Rolle im Prozess spielt, ist ΔE eine Kennzahl, die nicht vernachlässigt werden sollte.

CIE / ISO Standard: Colorimetry Part 6 (CIEDE2000 Colour-Difference Formula)

CIE 2000 color difference formula: CIEDE2000 — SPIE Proceedings

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Ewald Rath
Ewald Rath

Colour & Appearance Technology Manager EMEA